10. und 11. April 2026 „Hormone im Frühling“:
Die Regel im Sport

Radfahren, Klettern, Laufen: Sobald die Tage länger und wärmer werden, macht das Sporteln im Freien noch mehr Spaß. Bei der 8. Frühjahrstagung „Hormone im Frühling“ wenden sich die Mediziner:innen der Univ.-Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin mit einem Schwerpunkt jenen Sportlerinnen zu, bei denen der Spaß aufhört und die Periode ausbleibt. Weitere Themen drehen sich um Jugendgynäkologie, Kinderwunsch und Wechseljahre. Anmeldung bis 7. April.
Was am Freitag, dem 10. April mit einer Führung durch die Univ.-Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin (Direktorin: Bettina Toth) beginnt, entwickelt sich im Laufe des zweitägigen Hybridkongresses im Audimax der Medizinischen Universität Innsbruck zu einer Reise durch wichtige weibliche Lebensphasen: Themen, die Frauen von der frühen Jugend über die reproduktive Zeit bis zur Menopause begleiten, werden besprochen. Die 8. Frühjahrstagung steht allen Interessierten offen, besonders adressiert sie dieses Jahr Allgemeinmediziner:innen, Schulärzt:innen sowie Pädiater:innen. Denn am ersten Konferenztag wird es viel um Kinder und Jugendliche gehen, die am Übergang von der kinderärztlichen Betreuung in die Erwachsenenmedizin stehen, noch nicht bei der/dem Gynäkolog:in waren und sich an ihre/n Hausärzt:in wenden – und dann ist es gut, wenn diese sich z.B. mit Lichen sclerosus auskennen.
Diese Autoimmunkrankheit der Haut ist grundsätzlich sehr gut mit Kortison behandelbar. Aber: „Man muss sie kennen, um sie zu erkennen“, sagt Tagungsorganisatorin und Oberärztin Katharina Feil. Denn Lichen sclerosus äußert sich mit Juckreiz und Brennen im Genitalbereich – sehr ähnlich wie eine Pilzinfektion. Nur mit einem geschulten ärztlichen Blick und dem Wissen, dass Kinder und Jugendliche kaum von Pilzinfektionen der Vagina betroffen sind, ist es möglich den Unterschied zu erkennen und die richtige Therapie einzusetzen. „Wir sehen jede Woche mindestens zwei Mädchen mit Lichen sclerosus in unserer Ambulanz, viele von ihnen haben schon mehrere Therapien durchlaufen, weil das Krankheitsbild als Pilz missinterpretiert wurde“, ergänzt Feil.
In einem großen Schwerpunkt beschäftigen sich die Expert:innen mit Sportler:innen und Periodenblutung. Diese bleibt bei großer sportlicher Belastung und gleichzeitig mangelnder Energiezufuhr aus. „Das betrifft nicht nur den Leistungssportbereich von Mädchen und Frauen, sondern gerade in Tirol auch den Hobbysport. Wir haben viele Frauen, die exzessiv Sport treiben, vor allem in der Altersgruppe von 15 bis 25“, sagt Bettina Böttcher, Oberärztin an der Uniklinik. Langfristig könne das – abgesehen von unerfülltem Kinderwunsch – weitere schwerwiegende Folgen nach sich ziehen, die als RED-S (Relatives Energiedefizit-Syndrom) zusammengefasst werden: kognitive Einschränkungen, wie eine verminderte Konzentrationsfähigkeit, psychische Probleme, Osteoporose, Herz-Kreislauf-Krankheiten. Dahinter steckt ein chronischer Hormonmangel, vor allem von Östrogen. „Wenn der Körper durch das hohe Sportpensum mit verhältnismäßig wenig Kalorienzufuhr belastet ist, wäre eine Schwangerschaft nicht sinnvoll. Daher kommt es zum Ausbleiben der Periode“, erklärt Böttcher. Alarmierend wird dieser Zustand, wenn die Regel sechs Monate ausbleibt, oder bei Mädchen gar nicht eintritt. Frauen und Jugendliche, die hormonell verhüten, bemerken das mitunter aber gar nicht, weil diese Mittel die Symptome verschleiern. Die gute Nachricht: „Die meisten Symptome gehen wieder weg, sobald die Energiebilanz ausgeglichen ist“, sagt Böttcher. Bei den Vorträgen werden die Teilnehmer:innen erfahren, wie man der Ursache für die ausbleibende Regelblutung auf die Spur kommt und sie bekommen Tipps rund um Ernährung, Sport und Hormone, z.B. zu zyklusbasiertem Training.
Was hilft, wenn scheinbar nichts mehr hilft
In weiteren Programmpunkten wird es unter anderem um krankhafte Zeichen für eine verfrühte oder verspätete Pubertät und um verschiedene Formen der Notfallverhütung gehen. Denn nicht jede „Pille danach“ ist danach geeignet. „Es gibt verschiedene Präparate, die abhängig von der Zyklusphase wirken, oder nicht. Wenn der Eisprung bereits eingesetzt hat, hilft die ,Pille danach‘ auch nicht mehr, dann kann man noch die ,Spirale danach‘ einsetzen“, klärt Feil auf. In Situationen wie diesen zählen die Stunden und die Betroffenen erhalten sofort einen Termin an der Klinik.
Am zweiten Kongresstag sind Themen rund um Kinderwunsch und Menopause an der Reihe, etwa welche pflanzlichen Wirkstoffe bei Wechseljahrsbeschwerden eingesetzt werden können. Die Menopause wird im September beim Kongress „Hormone im Herbst“ noch einmal besonders hervorgehoben werden.
(Text: T. Mair, Bild: Univ.-Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin/Denise Primus)
Hybridkongress „Hormone im Frühling“: Alle Informationen zu Programm und Gebühren (frei für Studierende)
Anmeldung bis 7. April bei Andrea Painer, E-Mail: lki.fr.gyn-endo@tirol-kliniken.at
Weitere Veranstaltungen
15. April 2026, 18:30 Uhr – Wissen|schaf(f)t Gesundheit-Vortrag
Endometriose: Therapiekonzepte vom Jugendalter bis zur Menopause
Endometriose ist eine hormonabhängige Erkrankung, die viele Frauen im gebärfähigen Alter betrifft. Im Vortrag von Beata Seeber, Leiterin des Endometriosezentrums, erfahren Sie, wie sich Endometriose zeigen kann und welche Behandlungsmöglichkeiten es in den verschiedenen Lebensphasen gibt. Termin: 15. April 2026, 18:30 Uhr, Großer Hörsaal (Audimax), Fritz-Pregl-Str. 3/EG, Medizinische Universität Innsbruck. Eintritt frei.
Livestream und weitere Infos
Die Univ.-Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin bietet für Schulen First-Love-Klassen an und sie stellt Unterrichtsmaterialien für die Sexualaufklärung als E-Learning zur Verfügung. Bei der Langen Nacht der Forschung am 24. April richtet Katharina Feil mit den Kolleg:innen der First-Love-Ambulanz den Escape-Room „Kannst du die Hormone knacken?“ ein: Die jungen Besucher:innen (ab 14 J.) lösen dort Rätsel rund um Menstruation, Verhütung und Gefühle und lernen dabei viel über ihren Körper und sexuelle Gesundheit.
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