Johannes Attems zum Universitätsprofessor für Neuropathologie berufen

Mit 1. Juli wird Johannes Attems zum Professor für Neuropathologie an der Medizinischen Universität Innsbruck ernannt. Rektor Gert Mayer hat den 57-jährigen gebürtigen Grazer berufen. Am Institut für Neuropathologie und Neuromolekularpathologie wird er unter anderem seine Expertise im Bereich der Neurodegenerativen Krankheiten einbringen und die „Innsbruck Brain Bank“ aufbauen.
Attems‘ Beweggrund, nach Innsbruck zu kommen, ist die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen, wie der Neurologie und Psychiatrie, von Grund auf eine Hirnbank zu etablieren. Diese soll zukünftig den Namen „Innsbruck Brain Bank“ tragen. Zudem freut sich Attems darauf, seine Expertise in der Neuropathologie und hier insbesondere im Hinblick auf die Neurodegeneration einbringen zu können.
Werdegang und Forschungsschwerpunkt
Johannes Attems absolvierte sein Medizinstudium und seine Facharztausbildung im Fach Pathologie in Wien. Ihm gelang es als vermutlich erstem Pathologen in Österreich, sich aus einem Gemeindespital (Otto Wagner Spital) heraus zu habilitieren. Seit 2009 arbeitete er in Newcastle upon Tyne, einem führenden Zentrum für Lewy-Körperchen-Erkrankungen. Dabei handelt es sich um Erkrankungen des Gehirns, bei denen Eiweißablagerungen (α-synuclein) Nervenzellen schädigen und zu Symptomen von Parkinson und/oder Demenz führen. Als Neuropathologe betreute er die dortige Hirnbank, die über 2.500 Gehirne umfasst. Darüber hinaus war und ist er im britischen Hirnbankennetzwerk tätig. Zudem ist er Herausgeber der renommierten Fachzeitschrift Acta Neuropathologica, dem weltweit führenden Journal im Fachbereich der Neuropathologie mit über 10 Impact-Punkten.
„Um neurodegenerative Erkrankungen, also im Wesentlichen dementielle und Parkinsonismus, zu untersuchen, braucht man natürlich auch menschliches Gewebe. Es wird allerdings niemand operiert, weil er z. B. an Morbus Alzheimer erkrankt ist und daher können wir nicht, wie andere Disziplinen, auf chirurgisch gewonnenes Gewebe zurückgreifen. Wir sind auf Gewebe von Verstorbenen angewiesen, das systematisch gesammelt werden muss, da es aus vielen Gründen nicht zielführend ist, lediglich ad hoc das eine oder andere Gehirn eines Verstorbenen zu untersuchen“, erklärt Johannes Attems.
Hirnbanken dienen nicht nur der Erforschung im eigenen Institut. Sie sind vielmehr infrastrukturelle Einrichtungen für internationale Forschungsteams, die für ihre Forschungen Gewebe anfordern können. So wurden in Newcastle beispielsweise in einem Spitzenjahr rund 28.000 Proben weltweit versandt.
„In einer Hirnbank werden nicht nur post mortem gewonnene neuropathologische, sondern auch sämtliche klinische Daten, die zu Lebzeiten des Spenders erhoben wurden, erfasst. Der Betrieb einer Hirnbank umfasst daher auch einen engen Kontakt zu den Spendern zu deren Lebzeiten, damit so umfängliche klinische Daten erhoben werden können, die dann zusammen mit neuropathologischen Daten und dem Gehirngewebe den Forschungsgruppen zur Verfügung gestellt werden“, führt Attems weiter aus.
Neben der Hirnbank wird Johannes Attems ebenso in der Lehre im Fach Pathologie tätig sein.
Der 57-Jährige freut sich darauf, in der Stadt zu wohnen, in welcher seine Frau studiert hat. An Innsbruck gefällt dem Experten vor allem auch die Größe. „Ich kann hier eigentlich alle Wege unabhängig vom Verkehr zu Fuß erledigen.“
(29. Juni 2026, Text: S. Traugott, Foto: MUI/C. Simon)
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