close_icon

Resistente Pilze: Steigende Herausforderung für Medizin und Landwirtschaft

Ein Schimmelpilz. Mukormykose-Infektion ausgelöst durch Schimmelpilzsporen.
Ein Schimmelpilz. Mukormykose-Infektion ausgelöst durch Schimmelpilzsporen. (Foto: MUI/D. Bullock).

Pilzinfektionen treten in der Humanmedizin, der Veterinärmedizin und der Landwirtschaft auf. Für die Behandlung existiert derzeit in allen Sektoren lediglich ein enges Feld an effektiven Wirkstoffklassen. Wie bei Antibiotikaresistenzen werden Pilze, welche gegen hochwirksame Wirkstoffe Resistenzen entwickelt haben, zunehmend zur Herausforderung. Unter der Leitung der Mikrobiologin und Mykologin Michaela Lackner gelang es nun erstmals, Vertreter:innen aus allen drei Sektoren an einen Tisch zu holen, um eine Strategie für den Umgang mit und den Einsatz von Fungiziden zu erarbeiten. Im Fokus stehen dabei Azole, der sektorübergreifend wirksamsten Substanzklasse.

„Azole haben ein sehr breites Wirkspektrum. Daher werden sie in großem Umfang in der Human- und Veterinärmedizin, aber auch in der Landwirtschaft eingesetzt. In der Humanmedizin haben wir drei Wirkstoffklassen, die für systemische Infektionen eingesetzt werden. Von diesen drei Klassen machen die Azole über 50 Prozent des Marktanteils aus. In der Landwirtschaft werden 20 verschiedene Wirkstoffklassen eingesetzt. Hier machen die Azole 40 Prozent des Marktanteils aus. Damit sind wir sektorübergreifend äußerst abhängig von diesem Wirkstoff“, erklärt Michaela Lackner.

Pilzinfektionen verursachen in der Landwirtschaft einen Ernteverlust von 20 bis 40 Prozent. Diese Nahrungsmittel fehlen in der Versorgung der Weltbevölkerung, sowie in der Tiermast. Landwirt:innen sind damit in weiterer Folge von Einkommensausfällen betroffen. Da Azole ein solch breites Wirkspektrum haben, ist der Azoldruck vor allem in der Landwirtschaft sehr hoch. Jene Pilze, die Infektionen im Menschen verursachen, wie Saprophyten, haben in der Natur die Aufgabe, organisches Material zu recyclen. Dabei sind sie an hohe Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit und ein gutes Nährstoffangebot angepasst. Aufgrund des großen Azoldrucks lernen auch diese Pilze, Resistenzen zu entwickeln.

„Das ist besonders für immunsupprimierte Patient:innen ein Problem, wenn sie die Pilzsporen inhalieren. In der Behandlung steht uns das wirksamste Mittel dann nicht mehr zur Verfügung, wodurch der Therapieerfolg stark beeinträchtigt wird. Zugleich muss die Lebensmittelsicherheit gewahrt bleiben“, beschreibt Lackner das Spannungsfeld.

In der gemeinsamen Forschungsarbeit von Wissenschafter:innen aus Österreich, den Niederlanden und Neuseeland, welche im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht worden ist, wurde auch das Vorkommen sogenannter Cross-Domain-Pathogene festgestellt. Jene Pathogene, wie Fusarium, schaffen den Sprung von einer Domäne, beispielsweise Pflanzen, auf eine andere, wie Tiere und Menschen. Das zeigt noch mehr, dass die Gesundheit von Menschen, Haustieren, Wildtieren und auch die Pflanzengesundheit eng miteinander verknüpft ist. Es bedeutet auch, dass Pathogene von Haustieren auf ihre Halter:innen übertragen werden können und umgekehrt. Ein häufiges Beispiel sind Hautpilzinfektionen.

Gemeinsamer Ansatz

Die Schlussfolgerungen der Expert:innen verdeutlichen, dass es einen globalen, sektorübergreifenden Ansatz braucht, um diese Herausforderung zu bewältigen.
„Ein Totalausfall der Azole wäre für die Landwirtschaft, die Veterinärmedizin und die Humanmedizin eine Katastrophe“, warnt Lackner eindringlich. „Wir haben uns dafür eingesetzt, eine gemeinsame sektorübergreifende Publikation zu schaffen, welche Aufmerksamkeit für das Problem der Pilzinfektionen und Pilzresistenzen schafft und eine Kommunikationsgrundlage für Diskussionen auch zwischen den großen NGOs wie WHO für Weltgesundheit, der WOAH für Tiergesundheit, der UN für den Umweltschutz und der FAO, dem Dachverband für die globale Ernährungssicherheit“, beschreibt Lackner den verfolgten Ansatz. In der nun erarbeiteten Strategie wurden die Sichtweisen, wie schwerwiegend Pilzinfektionen die einzelnen Bereiche betreffen, zusammengefasst und damit auch Verständnis geschaffen, wie wichtig die Substanzklasse der Azole für alle drei Felder ist. Nun sollen Leitlinien für den verantwortungsvollen Umgang entwickelt werden, um Azole zu erhalten. Besonders wichtig wird es sein, die Forschung zu fördern, damit neue Wirkstoffe mit neuem Wirkansatz entwickelt und etabliert werden können.

(12.08.2026 Text: S. Traugott, Bild: MUI/D. Bullock)

Links:

The dual role of azoles: lifesaving antifungals and drivers of resistance – a One Health perspective. Roohi, B., Tyndall, J.D.A., Svoboda, T. et al., Nat Commun 17,
https://doi.org/10.1038/s41467-026-71762-9

Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie
Forschungsbereich Mykologie