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Trainingskonsole simuliert OP mit Roboter

Student Felix Hirtenlehner schaut direkt in einen großen Monitor und bedient mit den Händen die Roboterkonsole. Dabei wird er beobachtet von der Ärztin Katharina Esswein
Fokus auf der Praxis: Im Wahlfach üben Studierende den Umgang mit dem SimNow-Trainingskonsole, hier unterrichtet von Katharina Esswein (l.)

Eine Gallenblase entfernen, einen Leistenbruch behandeln: Wie solche chirurgischen Eingriffe mit roboterassistierten Systemen durchgeführt werden, wird im Chirurgischen Lernzentrum in Innsbruck an einer Trainingskonsole mit Simulator geübt. Der SimNow-Simulator ermöglicht es Studierenden, patient:innenunabhängig roboterassistierte Operationstechniken kennenzulernen, die in der minimalinvasiven Chirurgie eine immer größere Rolle spielen.

Von außen sind nur konzentrierte Hand- und Fußbewegungen zu sehen, wenn jemand an der RAS[1]-Trainingskonsole mit SimNow-Simulator die Entfernung einer Gebärmutter oder eine Dickdarm-Operation übt. Im Operationssaal werden mit einer solchen Konsole drei Roboterarme gesteuert – im Lehrzentrum der Univ.-Klinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie ist es eine reine Simulation für den Unterricht von Studierenden und die Aus- und Weiterbildung von Ärzt:innen. „Das Greifen ist sehr sensibel, aber die Bedienung ist so intuitiv, dass ich es im Vergleich zu einer Laparoskopie nicht so schwierig finde“, erzählt Felix Hirtenlehner, Medizinstudent im 10. Semester. Im Rahmen des Wahlfachs „Minimalinvasive Chirurgie“ hat er schon mehrere Trainingseinheiten mit der Konsole absolviert – der Schwierigkeitsgrad wird dabei vom System sukzessive erhöht. Der Niederösterreicher, der später gerne als Chirurg arbeiten möchte, freut sich über dieses Lehrangebot besonders: „Da sieht man als Student gleich, ob einem das Operieren liegt.“

Routine entsteht am Simulator

Die RAS-Konsole ist das Bedienelement für einen Operationsroboter, das den Chirurg:innen eine 3D-Sicht des Operationsgebietes ermöglicht und mit der sie die Operationsinstrumente im Körper der Patient:innen (fern-)steuern. Die RAS-Konsole mit Simulator erlaubt es, alle Aspekte der Roboter-assistierten Chirurgie kennenzulernen, die nicht direkt an Patient:innen durchgeführt werden, zur Vorbereitung auf allgemeinchirurgische sowie gynäkologische und urologische Eingriffe. „Man übt die Steuerung der verschiedenen Instrumente und verinnerlicht die Operationsschritte“, erläutert Katharina Esswein, Fachärztin für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Leiterin des Wahlfachs. „Das Gefühl bei einer realen OP ist schon anders als am Simulator, aber man kann sehr gut Abläufe automatisieren, man wechselt zum Beispiel mit dem Fuß den Stromzufluss zu den drei Armen des Roboters. Dieses Training hilft enorm, sich im OP auf die eigentliche chirurgische Arbeit zu konzentrieren.“ Auch der Umgang mit Fehlermeldungen wird trainiert. Der Simulator im Lernzentrum wurde ausschließlich für Ausbildungszwecke erworben.

Die Ärzt:innen Andreas Lorenz und Katharina Esswein stehend neben dem Simulator, an dem der Student Felix Hirtenlehner übt
Andreas Lorenz und Katharina Esswein sind vom Simulator überzeugt

Denn Operationen mit Robotertechnik sind mittlerweile an der Tagesordnung. „Es braucht neue Ausbildungskonzepte, die Zukunft der minimalinvasiven Chirurgie ist die Roboter-assistierte Chirurgie“, ist Andreas Lorenz, stellvertretender Direktor der Univ.-Klinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie, überzeugt. „Diese Techniken ermöglichen den Chirurg:innen bessere Sicht, sie können damit feinfühliger agieren und die Patient:innen erfahren eine geringere Belastung.“ Als Koordinator für Roboterassistierte Chirurgie ist Lorenz für die Einführung des Simulators im Lernzentrum der Chirurgie verantwortlich. Er schätzt den SimNow-Trainingskonsole sowohl für das niederschwellige Heranführen von Studierenden an die Roboter-assistierte Chirurgie als auch für das Training von Chirurg:innen und den Einsatz in der Facharztausbildung: „Am Simulator kann unabhängig vom OP-Plan geübt werden, dabei wird eine personalisierte Statistik zu jeder Übung und Operationssimulation angefertigt, die es erlaubt, den Lernfortschritt zu verfolgen.“

Die Studierende Julia von Fugler übt eine Laparoskopie, indem sie zwei Steuerungselemente vor einem Monitor bedient, beobachtet von ihrem Studienkollegen Felix Hirtenlehner und der Ärztin Irina Tsibulak
Die Studierenden Julia von Fugler und Felix Hirtenlehner lernen im Wahlfach verschiedene Methoden der minimalinvasiven Chirurgie kennen, hier angeleitet von Irina Tsibulak

Irina Tsibulak, leitende Oberärztin der Gynäkologischen Onkologie (Univ.-Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Direktor: Ibrahim Alkatout), hat sich ebenfalls selbst in Tausenden Trainingsminuten am Simulator auf den Roboter-assistierten chirurgischen Eingriff an ihren Patientinnen vorbereitet. „Die Studierenden gehören einer Generation an, die mit der Konsole oft intuitiv zurechtkommt, das 3D-Verständnis ist schnell da“, beschreibt Tsibulak ihre Erfahrungen als Lehrende im Wahlfach. Unter den Teilnehmer:innen ist auch Julia von Fugler, Medizinstudentin im 8. Semester: „In Vorlesungen sieht man Bilder von Simulationen, aber den Simulator selbst zu bedienen, ist ganz etwas anderes“, sagt die 25-Jährige. Vielleicht wird sie später einmal nicht hinter dem Simulator verschwinden, sondern eine solche Konsole im Operationssaal bedienen.

(22.07.2026, Text: P. Volgger, Fotos und Video: MUI/D. Bullock)
 

[1] RAS steht für robot-assisted surgery

Link:

Chirurgisches Lernzentrum der Univ.-Klinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie