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Hausärzt:innen von morgen: Emirhan Tuna ist der 50. Absolvent des Erweiterungsstudiums Allgemeinmedizin

Portratbild Emirhan Tuna vor Baumkulisse

Allgemeinmediziner:innen werden dringend gebraucht. An der Med Uni Innsbruck wird seit 2022 das Erweiterungsstudium Allgemeinmedizin angeboten. Das Interesse ist konstant groß: Rund 15 Prozent der Studierenden eines Studienjahrgangs sind parallel zum Studium der Humanmedizin darin inskribiert, 59 Studierende haben das praxisorientierte Lehrangebot inzwischen abgeschlossen. Auch der 24-jährige Medizinstudent Emirhan Tuna ist frischgebackener Absolvent und möchte später Hausarzt werden.

Für Emirhan Tuna steht schon seit seiner Kindheit fest, dass er einmal als Hausarzt arbeiten möchte, am liebsten in einer Gemeinschaftspraxis bei sich zu Hause im Tiroler Oberland. Diesem Ziel ist der 24-jährige Medizinstudent mit dem Abschluss des Erweiterungsstudiums Allgemeinmedizin an der Med Uni Innsbruck ein Stück nähergekommen. Bis zum Abschluss des Humanmedizinstudiums und der postpromotionellen Ausbildung ist es allerdings noch ein langer Weg. In Zukunft könnte er einen wichtigen Beitrag zur wohnortnahen Gesundheitsversorgung leisten.

Erweiterungsstudium Allgemeinmedizin an der Med Uni Innsbruck
32 ECTS, begleitend zum Studium der Humanmedizin ab dem 5. Semester

Das Erweiterungsstudiums wird seit 2022 angeboten, insgesamt waren seither 283 Studierende der Humanmedizin parallel zum Studium inskribiert, im Mittel entspricht das mehr als 15 Prozent eines Studienjahrgangs pro Jahr. 59 Studierende haben das Erweiterungsstudium erfolgreich abgeschlossen.
Anmeldungen für das Wintersemester 2026/27 sind bis 31.10.2026 möglich. Voraussetzungen und Infos

Der Bedarf im Fach Allgemeinmedizin sei unbestritten, betont Alfred Doblinger, Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin der Med Uni Innsbruck und selbst praktizierender Hausarzt. „Die Bevölkerung wird älter, Multimorbidität nimmt zu, die Zahl der Arztkontakte steigt und die Therapien werden zunehmend komplexer.“ Allein die von der ÖGK verzeichneten hausärztlichen Konsultationen stiegen von 55 Millionen im Jahr 2018 auf 62 Millionen im Jahr 2023. Doblinger betont einmal mehr: „Wir in der Primärversorgung sind nicht nur für Kleinigkeiten zuständig, sondern wir sind ein wichtiger Filter und erhalten das Gesundheitssystem funktional und finanzierbar.“

Porträtfoto von Alfred Doblinger, er gestikuliert mit den Händen
Alfred Doblinger, Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin der Med Uni Innsbruck und selbst Hausarzt hat eine zentrale Botschaft: „Hausarzt sein ist cool.“

Praxisnahe Ausbildung findet breiten Zuspruch

An der Med Uni Innsbruck ist Allgemeinmedizin Pflichtlehre in den ersten vier Semestern. Darüber hinaus leistet die Universität vor allem mit dem Erweiterungsstudium Allgemeinmedizin, das in drei bis sechs Semestern begleitend zum Studium der Humanmedizin absolviert werden kann, einen Beitrag, um Studierende schon während des Medizinstudiums für das Fach zu begeistern und auf den Beruf vorzubereiten. Das Erweiterungsstudium ist praxisbezogen und behandelt medizinische, organisatorische und unternehmerische Aspekte.

Das hat auch Emirhan Tuna gut gefallen: „Ich habe verschiedene Ordinationen gesehen und gemerkt, wie abwechslungsreich Allgemeinmedizin ist. Man betreut Patient:innen in jedem Alter und sieht viele Krankheitsbilder: Einmal ist eine Wunde zu versorgen, ein ander Mal ist ein Säugling gestürzt, dazwischen eine Vorsorgeuntersuchung, es kommt ein kardiovaskulärer Patient für ein Rezept. Es passiert immer wieder Neues, aber man kann seine Patient:innen über die Jahre hinweg begleiten.“

So wie der Student aus Schönwies im Bezirk Landeck haben bisher 59 Studierende das Erweiterungsstudium abgeschlossen. Bei den Praxistagen lernte er auch eine Gemeinschaftspraxis kennen und könnte sich vorstellen, später in einer solchen zu arbeiten:„Dann ist man kein Einzelkämpfer, sondern kann sich fachlich austauschen. Ich spreche auch Türkisch und das ist gerade im Kontakt mit älteren Patient:innen dieser Community sicher ein Vorteil.“

Zwei weiße Arztkittel und zwei Stethoskope hängen an einer Garderobe
Allgemein:medizinerinnen werden dringend gebraucht – am Institut für Allgemeinmedizin der Med Uni Innsbruck werden Studierende ab Beginn des Studiums an das Fach herangeführt

Frühe Einblicke in die Allgemeinmedizin

Bis 31. Oktober 2026 läuft die Anmeldephase für das Wintersemester. „Der Zeitaufwand für das Erweiterungsstudium ist bei 32 ECTS natürlich beachtlich“, so Doblinger. Rund 15 Prozent der Studierenden eines Studienjahrgangs sind inskribiert, davon ist etwa die Hälfte sehr aktiv im Studium. Laut einer Umfrage kann sich rund die Hälfte der Studierenden des Erweiterungsstudiums konkret vorstellen, in der Primärversorgung zu arbeiten, ein weiteres Drittel immerhin eventuell – für den Institutsleiter lauter erfreuliche Zahlen. Er ist sich sicher, dass es entscheidend ist, die Studierenden früh im Studium auf sein Fach aufmerksam zu machen: „Schon in den ersten Semestern bei den Klinisch-allgemeinmedizinischen Falldemonstrationen können wir ihnen vermitteln: Wir brauchen euch als Hausärztinnen und Hausärzte!“

„Hausarzt sein ist ein cooler Beruf, das will ich meinen Studierenden mit auf den Weg geben“, sagt Doblinger. Auch Emirhan Tuna hat trotz der Verantwortung, die er tragen würde, Vertrauen in seinen Berufswunsch: „Die Kurse im Erweiterungsstudium und die Gespräche mit erfahreneren Ärzt:innen haben mir Mut gemacht, dass ich das schaffen kann.“

(22.09.2026, Text: P. Volgger, Bilder: MUI/P. Volgger, F. Lechner)

Links:

Erweiterungsstudium Allgemeinmedizin: Zulassungsvoraussetzung und Anmeldung
Ärztliche Versorung im niedergelassenen Bereich – Bericht des Rechnungshofes